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Positive Führung: Warum Sinn das unterschätzte Erfolgsrezept ist.

Autorenbild: Magnus Kyre
Magnus Kyre
11. Sept. 2023
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Okt.

Die Erwartungen an Führungskräfte sind heutzutage gewaltig:


Fachliche Kompetenz, Respekt, Motivation, der Wunsch nach offener Kommunikation, Vertrauen, Veränderungsfähigkeit – die Liste ließe sich endlos fortsetzen.


In einer Welt, die sich ständig verändert und in der die Anforderungen an Unternehmen immer komplexer werden, lastet ein enormer Druck auf den Organisationsgestalterinnen und -gestaltern.


Hinzu kommt: Viele Führungskräfte stehen selbst unter Strom. Sie sollen Ergebnisse liefern, Veränderungen vorantreiben, Konflikte lösen – und nebenbei ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Menschen gerne bleiben. Kein Wunder, dass sich viele fragen: Wie soll das alles gleichzeitig gehen?


Ein Ansatz, der hierbei unterstützen kann, ist Positive Führung (Positive Leadership).

Vereinfacht gesagt geht es dabei nicht nur darum, das individuelle Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu steigern, sondern das gesamte Team „arbeitsfähiger“ zu machen – auf positive Art und Weise.


Was Positive Führung ist – und was nicht.


Positive Führung hat ihre Wurzeln in der Positiven Psychologie, die der US-Psychologe Martin Seligman Ende der 1990er-Jahre maßgeblich geprägt hat. Während die klassische Psychologie lange vor allem fragte, was Menschen krank macht, rückt die Positive Psychologie die Frage in den Mittelpunkt, was Menschen gesund, leistungsfähig und zufrieden hält.


Ein bekanntes Modell dafür ist PERMA. Es beschreibt fünf Faktoren, die zu einem gelingenden (Arbeits-)Leben beitragen:


  • Positive Emotionen – Freude, Dankbarkeit, Stolz

  • Engagement – das Aufgehen in einer Tätigkeit, die eigenen Stärken nutzen

  • Relationships – tragfähige Beziehungen im Team

  • Meaning – Sinn und Bedeutsamkeit der eigenen Arbeit

  • Accomplishment – Erfolge erleben und Ziele erreichen


Für Führungskräfte heißt das: Sie können gezielt an diesen fünf Stellschrauben drehen.


Wichtig ist auch, was Positive Führung nicht ist. Sie ist kein Kuschelkurs, keine Pflicht zur Dauerfröhlichkeit und kein Wegsehen bei Problemen. Kritik, Konflikte und schwierige Entscheidungen gehören weiterhin dazu.


Der Unterschied liegt in der Haltung.

Positive Führung schaut nicht nur auf Defizite, sondern genauso bewusst darauf, was bereits gut funktioniert – und baut darauf auf.


Positives Führen

Positive Führung und Sinn – wie hängen sie zusammen?


Positive Führung und der Sinn der Arbeit bedingen sich gegenseitig. Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden gezielt fördern, ermöglichen ihnen, Sinn in ihrer Arbeit zu erkennen. Und wer seine Arbeit als sinnvoll erlebt, ist in der Regel engagierter und bleibt länger.


Das zeigt sich auch in Zahlen. Gallup untersucht in seiner groß angelegten Meta-Analyse seit Jahren den Zusammenhang zwischen Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg. Teams mit besonders hohem Engagement erzielen im Vergleich zu Teams mit sehr niedrigem Engagement unter anderem eine um 23 % höhere Profitabilität, eine um 14 bis 18 % höhere Produktivität und deutlich geringere Fehlzeiten. Engagement entsteht dabei nicht zufällig – es hängt maßgeblich davon ab, wie geführt wird.


Auch Deloitte kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Unternehmen mit einem klaren Sinn und Zweck (Purpose) berichten von rund 30 % mehr Innovationskraft und einer um 40 % höheren Mitarbeiterbindung als ihre Wettbewerber.


Diese Zahlen verdeutlichen: Eine sinnvolle und positive Arbeitsumgebung stärkt nicht nur die Unternehmenskultur, sondern bringt auch handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile – etwa eine stärkere Mitarbeiterbindung, höhere Zufriedenheit, mehr Innovationsfähigkeit und eine bessere Arbeitgeberattraktivität.


Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt und in ihren Stärken gefördert fühlen, bleiben loyal, was wiederum die Fluktuation im Unternehmen verringert.

Konkrete Interventionen für Unternehmen

Wie können Unternehmen Positive Leadership und Sinn in der täglichen Praxis verankern? Hierzu gibt es eine Fülle an Ansätzen – einige wesentliche sind:


1. Stärkenorientierte Führung

Hier liegt der Fokus auf den individuellen Stärken der Mitarbeitenden. Feedbackgespräche sollten sich nicht nur um Verbesserungen drehen, sondern ebenso um Stärken und Erfolge. Auch Projekte und Aufgaben lassen sich stärker an den individuellen Stärken der Beteiligten ausrichten. Das schafft ein positiveres Arbeitsklima und fördert die Motivation.


So kann es aussehen: Im nächsten Mitarbeitergespräch zuerst fragen: „Wann hast du dich in den letzten Wochen bei der Arbeit richtig in deinem Element gefühlt?“ – und erst danach über Entwicklungsfelder sprechen.


2. Zweck und Vision regelmäßig kommunizieren

Eine klare und inspirierende Kommunikation der Unternehmensziele und -werte hilft Mitarbeitenden, den Sinn ihrer Arbeit zu erkennen und sich stärker damit zu identifizieren. Entscheidend ist dabei weniger das Leitbild an der Wand als die Verbindung zum Alltag: Welchen Beitrag leistet genau meine Aufgabe zum großen Ganzen?


So kann es aussehen: Regelmäßig konkrete Geschichten teilen, wie die Arbeit des Teams bei Kundinnen, Kunden oder Kolleginnen und Kollegen etwas bewirkt hat.


3. Mitarbeiterbeteiligung

Partizipation ermöglicht es, aktiv an Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Wenn Menschen im Team das Gefühl haben, Einfluss zu haben, wächst ihre Identifikation mit der Arbeit und dem Unternehmen.


So kann es aussehen: Bei anstehenden Veränderungen das Team früh einbinden, statt fertige Lösungen zu präsentieren – etwa in Form eines gemeinsamen Workshops.


4. Anerkennung und Wertschätzung

Kleine Gesten der Wertschätzung, wie persönliche Dankesbotschaften oder öffentliche Anerkennung für gute Arbeit, wirken sich positiv auf Motivation und Zufriedenheit aus. Am wirksamsten ist Anerkennung, wenn sie konkret ist: Nicht „Gute Arbeit!“, sondern „Deine Aufbereitung der Zahlen hat uns im Kundentermin die entscheidende Klarheit gebracht.“


5. Gestaltungsspielraum schaffen (Job Crafting)

Mitarbeitende erleben ihre Arbeit als sinnvoller, wenn sie diese ein Stück weit selbst mitgestalten können – etwa indem sie Aufgaben, Arbeitsweisen oder Kooperationen so anpassen, dass ihre Stärken und Interessen besser zum Tragen kommen. Führungskräfte können dafür bewusst Raum öffnen.


6. Coaching- und Entwicklungsprogramme

Coaching-Angebote im Rahmen der Personalentwicklung wirken auf mehreren Ebenen. Mitarbeitende, die ihr Potenzial und ihre Stärken kennen – und danach auch arbeiten können –, erleben ihre Arbeit als sinnvoller und erfüllender. Und auch Führungskräfte selbst profitieren davon, ihre eigene Haltung und Wirkung zu reflektieren.


Typische Stolpersteine


So wirkungsvoll Positive Führung ist – in der Praxis gibt es einige Fallstricke:


  • Positivität als Pflicht: Wer Probleme schönredet oder schlechte Stimmung „verbietet“, verspielt Vertrauen. Positive Führung lässt auch Sorgen, Frust und Kritik zu.

  • Sinn von oben verordnen: Sinn lässt sich nicht anordnen. Führungskräfte können Rahmenbedingungen schaffen, in denen Sinn erlebbar wird – entdecken müssen ihn die Menschen selbst.

  • Einzelmaßnahmen statt Haltung: Ein Wertschätzungs-Workshop pro Jahr verändert wenig. Wirksam wird Positive Führung erst, wenn sie sich im täglichen Miteinander zeigt.

  • Führungskräfte allein lassen: Wer positiv führen soll, braucht selbst Unterstützung, Austausch und Raum zur Reflexion.


Es zeigt sich: Positive Führung und das Stiften von Sinn sind nicht nur moderne Managementtrends, sondern inzwischen essenzielle Bausteine für erfolgreiche Organisationen.


Ihr Nutzen ist messbar: Unternehmen, die die vorgestellten Ideen in ihre Kulturentwicklung einfließen lassen, schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens, der Wertschätzung und der Zugehörigkeit. Das führt nicht nur zu zufriedeneren und produktiveren Mitarbeitenden, sondern stärkt auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.


Der erste Schritt muss dabei nicht groß sein. Oft genügt es, im nächsten Gespräch bewusst nach dem zu fragen, was gut läuft – und zu beobachten, was sich dadurch verändert.


Übrigens: Sie möchten das Thema für Ihr Team oder Ihre Organisation vertiefen? Entdecken Sie meine Workshops, Trainings und Coaching-Angebote, z.B. rund um Positive Leadership.


Und: im Rahmen eines vertiefenden Interviews, erzähle ich hier von meinen Gedanken und Erfahrungen mit Positive Leadership in Organisationen.



Wissenschaftliche Quellen


  • Nico Rose (2019): "Arbeiten, um zu blühen – Positive Psychologie im Job."

  • Christian Thiele (2020): "Positiv führen: Wie Sie Sinn, Stärken und Erfolg im Team vereinen."

 
 
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