Life Design: Gestalte dein Leben statt darauf zu warten
- Magnus Kyre

- 28. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juni
Was wäre, wenn du dein Leben nicht planen müsstest, sondern gestalten könntest?

Viele Menschen verbringen viel Zeit damit, die richtige Entscheidung zu suchen. Den richtigen Job. Die richtige Karriere. Den richtigen nächsten Schritt. Doch je komplexer und dynamischer unsere Welt wird, desto schwieriger wird es, die Zukunft zuverlässig vorauszusagen.
Genau hier setzt das Konzept des Life Designs an.
Life Design versteht das Leben nicht als geradliniges Projekt, das von Anfang an perfekt geplant werden muss. Stattdessen geht es darum, das eigene Leben bewusst zu gestalten – mit Neugier, Experimentierfreude und einer klaren Orientierung an den eigenen Werten.
Der Ansatz verbindet Erkenntnisse aus Design Thinking, Positiver Psychologie, Karriereforschung, Coaching und Verhaltenswissenschaften. Er unterstützt Menschen dabei, ein Leben zu entwickeln, das nicht nur erfolgreich, sondern vor allem stimmig und erfüllend ist.
Was ist Life Design?
Life Design entstand ursprünglich aus der Design-Thinking-Bewegung an der Stanford University. Bekannt wurde der Ansatz durch Bill Burnett und Dave Evans mit ihrem Bestseller Designing Your Life.
Im deutschsprachigen Raum haben insbesondere Sebastian Kernbach und das Life Design Lab der Universität St. Gallen das Thema weiterentwickelt und wissenschaftlich fundiert erforscht. Ergänzt werden diese Ansätze durch die Arbeiten von Robert Kötter und Marius Kursawe, den Gründern von Work Life Romance, die Life Design als bewusste Gestaltung eines sinnerfüllten und selbstbestimmten Lebens verstehen.
Die Grundidee lautet: Du musst dein Leben nicht finden. Du darfst es gestalten.
Warum klassische Lebensplanung oft nicht mehr funktioniert
Vielleicht kennst du solche Fragen:
Wo möchte ich in fünf Jahren stehen?
Was ist mein Traumjob?
Welche Karriere passt wirklich zu mir?
Wie sieht mein perfektes Leben aus?
Das Problem dabei:
Diese Fragen setzen voraus, dass du die Zukunft bereits kennst.
Doch die Realität sieht anders aus. Berufe verändern sich. Prioritäten verschieben sich. Chancen entstehen oft unerwartet. Und manchmal stellen wir fest, dass ein Ziel, das wir lange verfolgt haben, gar nicht mehr zu uns passt.
Life Design verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. Statt nach der perfekten Antwort zu suchen, entwickelst du verschiedene Möglichkeiten und testest sie Schritt für Schritt.
Die Verbindung von Life Design und Positiver Psychologie
Life Design und Positive Psychologie verfolgen ein ähnliches Ziel: Menschen dabei zu unterstützen, ein gelingendes Leben zu führen.
Beide Ansätze beschäftigen sich mit Fragen wie:
Was gibt meinem Leben Sinn?
Wie kann ich meine Stärken nutzen?
Was fördert langfristiges Wohlbefinden?
Wie kann ich meine Zukunft aktiv gestalten?
Die Positive Psychologie zeigt, dass Menschen besonders dann aufblühen, wenn sie ihre Stärken einsetzen, positive Beziehungen gestalten, Sinn erleben und ihre Potenziale entfalten können.
Genau diese Faktoren spielen auch im Life Design eine zentrale Rolle.
Life Design ist damit weit mehr als Karriereplanung. Es ist ein Werkzeug für bewusste Lebensgestaltung.

Die fünf Grundprinzipien des Life Designs
1. Neugier statt Gewissheit
Life Designer müssen nicht alle Antworten kennen. Sie stellen gute Fragen.
Anstatt zu fragen:
„Was ist die perfekte Lösung?"
fragst du:
„Welche Möglichkeiten möchte ich erkunden?"
Neugier erweitert deinen Blickwinkel und eröffnet neue Wege.
2. Denken in Möglichkeiten
Viele Menschen suchen nach dem einen richtigen Lebensweg.
Life Design geht davon aus, dass es viele mögliche gute Leben gibt.
Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Welches Leben ist richtig?"
sondern:
„Welches Leben könnte spannend, sinnvoll und stimmig für mich sein?"
3. Kleine Experimente statt Grübeln
Die meisten Menschen denken lange über Veränderungen nach.
Life Designer testen. Sie sammeln Erfahrungen, bevor sie große Entscheidungen treffen.
Denn Handeln erzeugt Klarheit.
4. Prototyping statt Perfektionismus
Ein zentrales Konzept des Design Thinkings ist das Prototyping.
Du musst nicht sofort alles verändern.
Du kannst zunächst kleine Versionen deiner Ideen ausprobieren:
Ein Ehrenamt testen
Einen Blog starten
Ein Coaching anbieten
Einen neuen Arbeitsbereich kennenlernen
So entsteht Orientierung durch Erfahrung.
5. Co-Creation statt Alleingang
Gute Ideen entstehen häufig im Austausch mit anderen.
Deshalb spielt Dialog im Life Design eine wichtige Rolle.
Menschen, die ihre Gedanken teilen, Feedback einholen und unterschiedliche Perspektiven nutzen, entwickeln oft kreativere und tragfähigere Lösungen.
Drei praktische Life-Design-Übungen zum Ausprobieren
1. Die „80-Jahre-Rede“
Stell dir vor, du feierst deinen 80. Geburtstag. Die Menschen, die dir wichtig sind, halten Reden über dein Leben. Nimm dir 15 Minuten Zeit und beantworte folgende Fragen:
Was sollen Familie und Freunde über dich sagen?
Wofür möchtest du in Erinnerung bleiben?
Welche Werte sollen sichtbar geworden sein?
Worauf möchtest du stolz zurückblicken?
Diese Übung hilft dir dabei, von deinen langfristigen Werten auf heutige Entscheidungen zu schließen.
2. Das Begeisterungs-Tagebuch
Notiere zwei Wochen lang jeden Abend:
Welche Situation hat mir heute Energie gegeben?
Wann war ich besonders interessiert oder engagiert?
Was hat mich neugierig gemacht?
Welche Tätigkeit hätte ich gerne länger gemacht?
Nach einigen Tagen entstehen oft klare Muster. Du erkennst, welche Tätigkeiten, Themen und Begegnungen dir wirklich wichtig sind.
3. Die „Mehr davon“-Liste
Teile ein Blatt Papier in zwei Spalten.
Links schreibst du: Davon möchte ich mehr in meinem Leben.
Rechts: Davon möchte ich weniger in meinem Leben.
Denke dabei an:
Menschen
Tätigkeiten
Arbeitsweisen
Gewohnheiten
Orte
Gefühle
Anschließend suchst du dir einen Punkt aus der linken Spalte und formulierst einen konkreten Schritt für die kommende Woche. Life Design beginnt selten mit großen Veränderungen. Es beginnt meist mit kleinen bewussten Entscheidungen.
Dies sind bereits drei Übungen, um Life Design in kleinen Schritten auszuprobieren. Mehr davon gibt es in meiner zehnwöchigen Life Design Reise.
Warum Life Design gerade heute wichtig ist

Unsere Arbeits- und Lebenswelt verändert sich schneller als jemals zuvor. Karrieren verlaufen nicht mehr geradlinig. Menschen wechseln häufiger den Beruf, suchen mehr Sinn in ihrer Arbeit und möchten unterschiedliche Lebensbereiche besser miteinander verbinden.
Life Design bietet hierfür keinen festen Fahrplan.
Es bietet etwas Wertvolleres: Die Haltung, dass Zukunft nicht passiv abgewartet, sondern aktiv gestaltet werden kann.
Wissenschaftliche Quellen
Dieser Beitrag basiert unter anderem auf den Arbeiten von Bill Burnett und Dave Evans (2016), Sebastian Kernbach, Martin Eppler und dem Life Design Lab der Universität St. Gallen, Savickas et al. (2011), Seligman (2011) sowie den Veröffentlichungen und Impulsen von Work Life Romance.
Darüber hinaus flossen Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie, der Karriereforschung, dem Design Thinking und der Forschung zu Selbstwirksamkeit, Sinn und beruflicher Identität ein.
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